Zum Werden des Vereins der Freiberger Münzfreunde e.V.

 
   

Die Stadt Freiberg hat eine sehr lange Prägetradition. Ihre Geschichte füllt dicke Folianten. Die Gepräge, insbesondere die auf den Bergbau und das Hüttenwesen, zeugen vom hohen Niveau der sächsischen Prägekunst. Als Beispiele seien nur die Hörnlein- und Bardulek-Medaillen sowie das 3-Mark-Stück auf Friedrich den Weisen von 1917 genannt. Naturgemäß erfreuen sich diese Gepräge großer Beliebtheit bei der Sammlerschaft.

Die Freiberger Sammler hatten ihre Heimstatt im 1860 gegründeten Altertumsverein. Dieser unterhielt bereits 1867 zu 83 gleichgearteten Vereinen Verbindungen und Literaturaustausche, die bis Prag, Riga, St. Petersburg, Wien und Zürich reichten. Das Ehrenmitglied Advocat Carl Gautsch hatte zu diesem Zeitpunkt in Dresden den Verein für Münz-, Wappen und Siegelkunde gegründet. Die Freiberger übersandten aus diesem Anlass eine größere Partie Städte- und andere Siegel als Geschenk.  Es entwickelten sich zwischen beiden Vereinen gute Beziehungen, wie aus deren Mitteilungsblättern zu entnehmen ist. In Freiberg kann man also auf eine lange numismatische Tradition zurückblicken. Der Freiberger Altertumsverein besaß eine beachtliche Kunst und Altertümersammlung, die in das König-Albert-Museum, das spätere Stadt- und Bergbaumuseum, mündete. Dabei befand sich auch eine umfangreiche Münz- und Medaillensammlung, die auch den Gründlerschen sowie die Großschirmaer und Dittmannsdorfer Münzfunde enthielt. Die Sammlung wurde 1945 an verschiedene Orte ausgelagert und nach Kriegsende zum großen Teil gestohlen.

Nach dem 2. Weltkrieg kam in unseren Breiten das Münz- und Medaillensammeln nicht wieder richtig in Gang, galt doch die Beschäftigung damit als kleinbürgerlich und verpönt. Es gab lange Zeit keine Möglichkeit der Organisation zur sinnvollen, gemeinsamen Pflege dieses schönen und bildenden Hobbys.

Als sich im Jahre 1959 in Dresden eine Fachgruppe Numismatik im Kulturbund bildete, die später zur Gesellschaft der Heimatgeschichte gehörte, organisierten sich auch die Freiberger Sammler in Dresden. Sie nahmen den alten Faden wieder auf. Das waren die Sammlerfreunde Kurt Altmann, Frido Franke, Degenhardt Heyne, Gottfried Kröner, Dr. Gerhard Sansoni, Dr. Gert Seltmann und Eberhard Stein.

Als jedoch die Verantwortlichen in der ehemaligen DDR das gute Geschäft mit Gedenkemissionen erkannten - die BRD hatte ihre erste Gedenkmünze bereits 1952 emittiert - und folgerichtig 1966 mit dem Prägen von Gedenk- und Sondermünzen begannen, wuchs im ganzen Lande das Interesse an der Numismatik.

Aber schon vorher fanden sich in Freiberg die Sammler auf Initiative von Walter Schellhas, Direktor der Bibliothek der Bergakademie Freiberg, zusammen. Sie wollten einen eigenständigen, vom Kulturbund unabhängigen Verein gründen. Das wurde ihnen aber von den örtlichen Organen strikt verwehrt. Die Sammler um Walter Schellhas beabsichtigten, an die guten Traditionen in Freiberg anzuknüpfen und Gedenkmedaillen zu emittieren, auch unter Verwendung historischer Prägestempel. Sie wollten sich auch um die Rückführung der bedeutenden Werner-Sammlung, die aus politischen Gründen nach Berlin gebracht worden war, bemühen. Das alles war nicht opportun.

So schlossen sich schließlich die Freiberger Sammler im Jahr 1966 zu den gleichen Bedingungen wie die Dresdener, jedoch vorerst nur lose  zu einer Fachgruppe Numismatik zusammen. Sie hatten keine andere Wahl, wenn sie ihrem Hobby organisiert nachgehen wollten. Begonnen wurde mit rund 20 Mitgliedern. Die Konsolidierungsphase lag in den Jahren 1968 bis 1971, der Mitgliederstand wuchs rasch auf 50 an. Durch die Doppelmitgliedschaften, die in den Gliederungen des Kulturbundes möglich und auch weit verbreitet waren, differieren derartige statistische Angaben oftmals geringfügig. Das Niveau aber wird richtig beschrieben. Die Fachgruppe wuchs dann schnell auf 60 Mitglieder an und erreichte ihren höchsten Stand bei ihrer Auflösung 1990 mit 66 Mitgliedern. Es muss aber festgestellt werden, dass zuletzt davon rund die Hälfte nur aus Gründen des Münzbezuges und des nur zentral über Berlin möglichen Auslandstausches für Münzen und Medaillen in den Listen stand. In diesem Zusammenhang sei jedoch erwähnt, dass die Fachgruppen Numismatik ständig geringer werdende Münzzuteilungen erhielten und mit den steigenden Mitgliederzahlen die Verteilung der Münzen immer problematischer wurde. So gelangten schließlich zur Aktivitätbewertung Punktsysteme zur Anwendung, die auch hin und wieder zu Streitigkeiten der Mitglieder untereinander führten. Es muss jedoch auch bemerkt werden, dass durch den guten Stand im "sozialistischen Wettbewerb" der Fachgruppen Numismatik die Freiberger immer einen guten Quotienten aus Münzzuteilung zu Mitgliederzahl hatten. Ein Missverhältnis blieb aber bestehen. Groteskerweise konnten Leistungspunkte durch Altsilberabgaben gekauft werden. Zustände, an die man sich nicht gern erinnert, auch Gründe, die Fachgruppe wieder zu verlassen.

Trotz dieser inhaltlichen und sachlichen Schwierigkeiten entfaltete sich ein reiches und vielfältiges numismatisches sowie auch gesellschaftliches Vereinsleben. Regelmäßige monatliche Zusammenkünfte mit Vorträgen und regen Diskussionen, eine breite Forschungstätigkeit einzelner und im Kollektiv insbesondere zu Freiberger und sächsischen Themen sowie eine Vielzahl daraus resultierender Veröffentlichungen in der numismatischen Fachliteratur und in der Tagespresse, regelmäßige Großtauschtage, Börsen und Ausstellungen bildeten die Aktivitäten, die die Freiberger im schon genannten Wettbewerb der Fachgruppen Numismatik rasch an die Spitze im ehemaligen Bezirk Karl-Marx-Stadt führten. Diese Position konnte über einen langen Zeitraum bis zur Wende behauptet werden.

Zur 800-Jahrfeier Freibergs in Verbindung mit dem 20jährigen Jubiläum der Fachgruppe Numismatik erschienen 1986 zwei Medaillen sowie 1987 zur Erinnerung an den ersten Wiederaufzug der Berg- und Hüttenparade aus gleichem Anlass eine Suite von 5 Medaillen mit berg- und hüttenmännischen Motiven sowie dem Stadtwappen Freibergs, als Schildhalter dienten traditionsgemäß je ein Berg- und Hüttenmann in der Paradetracht von 1768.

Nach der Wende fanden sich 33 Sammler zusammen und gründeten den Verein der Freiberger Münzfreunde. Er wurde unter der Nummer 202 am 2. Oktober 1990 beim Registergericht Freiberg eingetragen, nachdem die Gründungsversammlung am 13. September 1990 erfolgreich verlaufen war und sich die alte "FGN" aufgelöst hatte. Versuche zur Spaltung des Vereins scheiterten.

Bei der Gründungsversammlung gaben sich die Mitglieder ein Vereinssignet. Es zeigt den Stadtgründer Otto den Reichen (1156- 1190), Markgraf von Meißen, aus dem Hause Wettin, auf einem Brakteaten.

Vorsitzende der Fachgruppe Numismatik waren Dr. Gert Seltmann von 1968 bis 1982 und Dr. Manfred Hiekel von 1982 bis 1990. Dem Verein der Freiberger Münzfreunde steht von Anbeginn Helmut Herholz vor.

Zu Ehrenmitgliedern des Vereins wurden 1990 die Sammlerfreunde Kurt Altmann und Prof. Dr. Georg Gruson ernannt. Damit erfolgte eine Würdigung ihrer langjährigen, dem Wohle der organisierten Numismatik in Freiberg dienenden Arbeit.

Im Jahre 1991 wurde vom Verein eine Ehrennadel gestiftet: Sie zeigt das Vereinssignet, das von einem Eichenlaubkranz umgeben ist. Die Nadel ist aus Silber. Sie soll an verdienstvolle Vereinsmitglieder und Förderer verliehen werden. Erste Träger sind die zwei Ehrenmitglieder sowie die Sammlerfreunde Udo Becker, Hans Friebe, Johannes Geißler, Helmut Herholz und Gerold Jahn. Diese Geehrten bilden ein Kuratorium, das die Nächstauszuzeichnenden auswählt. Es sollen jährlich etwa 3 bis 5 Ehrennadeln vergeben werden.

Bisheriger Höhepunkt ist die Emission einer Suite auf den Freiberger Bergbau und das Hüttenwesen, bestehend aus 6 Feinsilber Medaillen, denen eine 7. Medaille auf die Wiedererrichtung des Sächsischen Oberbergamtes in Freiberg und die Einführung seines Präsidenten am 15. Dezember 1991, der Gründung im Jahre 1542 gedenkend, folgen wird.

Erfolgreich wurden auch die 1981 begonnenen Großtauschtage und Börsen weitergeführt.

Der Beginn einer eigenen Schriftenreihe zum 1. Tag der Sachsen 1992 in Freiberg, die "Freiberger Münzblätter". stellt einen Erfolg, gleichzeitig aber auch eine große Verantwortung für den Verein dar.

Die Freiberger Münzfreunde wirkten zielstrebig an der Gründung der Sächsischen Numismatischen Gesellschaft mit. Sie trugen sich am 23.Juni 1990 auf der Albrechtburg zu Meißen in die Gründungsliste ein und dokumentierten damit ihren Willen, auch über Freiberg hinaus mit allen numismatischen Vereinen und Gesellschaften freundschaftlich und der gemeinsamen Sache dienend, zusammenzuarbeiten. Die Verbindungen zu den Münzfreunden e.V. der Partnerstadt Darmstadt und zur Numismatischen Gesellschaft Speyer e.V. tragen bereits erste Früchte. Sehr gute Kontakte bestehen zum Münzkabinett Dresden und zu den Sammlungen der Bergakademie Freiberg.